Archiv für die Kategorie ‘das fand ich auch noch lustig . . .’

Ein schlecht gelüftetes Büro in einem deutschen Rathaus. Duftmischung: kalter Rauch mit Pfefferminz und alter Kaffee. Person: männlich, Alter: unbestimmt, Gesicht mürrisch, Ton genervt, Mimik womit hab ich das verdient: „Ja, herein – nehmen sie Platz, was kann ich für Sie tun ?“ (freundliche Version) Tausendfacher Dialog, Tag für Tag in deutschen Amtsstuben. Da sitzt ein „sogenannter“ Bürger und hat ein Anliegen. Bestimmt ist man gar nicht zuständig und kann es bestimmt der Kollegin drei Treppen höher und 25 Zimmer weiter unterschieben, damit die sich damit herumärgern kann.  Sagt der Bürger :“Sagen sie mal, ich würde gerne Unland kaufen, was kostet das denn heute ?“  Leichtes Stirnrunzeln, man kann im Gesicht den Weg der Nachricht über Ohr ins Gehirn zum Verstand und wieder zurück beobachten, bis das der Mund sich öffnet und der Beamte sagt „Bitte was ?“ Das gibt ihm Zeit noch einmal über das Gehörte nachzudenken und den Ball an sein Gegenüber zu spielen. „Ich möchte Unland kaufen, alles was ich kriegen kann.“ „Sie wollen Unland kaufen ?“ – „Ja, alles was ich kriegen kann !“ – „Da frag ich mal einen Kollegen . . . „ das gibt dem Beamten bis zu 30 Minuten Zeit jemand zu finden der Ahnung davon hat.

Nutzen wir die Zeit und erläutern den Begriff „Unland“

Der deutsche Staat hat das Ihm (von wem auch immer) zur Verfügung gestellte Land hübsch eingeteilt . Man beschreibt Flächen nach Ihren Nutzungsarten und die einzelnen Puzzelstücke zu einer Fläche nennt man Flurstücke. Da gibt es Gebäude- und Freifläche, Verkehrsflächen, Landwirtschaftsflächen und Flächen anderer Nutzung. Jeder Quadratmeter Boden auf deutschen Hoheitsgebiet ist genau vermessen und benannt. „Jedes Flurstück muss eine Klassifizierung erhalten“ sagt der Nutzungsartenerlass.  Es gibt keine Fläche die nicht bezeichnet wird, – . . . oder doch ? Deutschland ist 357.111qkm groß – 7% sind bebaut (wenig, oder?) – 5% sind Straßen,Wege und Plätze, 53% werden landwirtschaftlich genutzt (erstaunlich, aber dazu zählt Forstwirtschaft, Weinbau, Obstanbau und „normaler“ Ackerbau und Viehwirtschaft), 30% ist stinknormaler Wald

Aber jetzt kommt das Problem : 0,8% sind Unland ! 0,09% der Fläche wurde als Friedhof genutzt.  Es gibt schönere Nutzungsarten als „Unland“ zu sein. Ein schöner Zoo, ein hübscher Küstenstreifen, vielleicht ein Wochenendplatz unbebaut der der Erholung dient,ein Einzelhaus oder eine Kirche. Es gibt sogar Abbaufläche für Lava in Deutschland! Alles besser als Unland zu sein. Unland steht ganz unten in der Tabelle der Nutzungsarten. Danach kommt nichts mehr. Wer sich nicht vorher in irgendeiner Nutzungsart einnisten konnte kommt hierhin. Zusammen mit Felsen, Dünen und stillgelegtem Abbauland.  Das sind Flächen die der Mensch nicht zum Leben braucht, wo keiner aufräumen möchte um es wieder „vernünftig“ nutzen zu können.

Welcher schlecht durchblutete Beamtenkopf erfindet einen Begriff wie „Unland“ ?  Weiter wird definiert „ Unland sind unbebaute Flächen die nicht geordnet genutzt werden“ Steht es irgendjemanden zu die Natur in Klassen einzuteilen ?  Eine Düne ist nichts wert ? Sogar ein Graben in dem ständig oder zeitweise Wasser fließt ist mehr wert ? Ist Land nichts wert, wenn man es nicht nutzen kann ? Ich kenne Unglück, Unkraut, Unwetter – aber Unland was ist das ?

So sucht sich bitte jeder mal ein Stück „Unland“ , findet ein paar freundliche Worte und sprecht zu Ihm. Ich bin mir sicher, das ein bisschen Aufmerksamkeit dem Unland gut tut, viele von Ihnen sind depressiv und wären gerne eine grüne Wiese.  Also los, verliert keine Zeit . . . auf geht`s

es hat die Menschheit immer schon fasziniert, was sich die Biologie so alles ausgedacht hat damit sich die ein Art von Tieren gegen seine Angreifer verteidigen kann.  Er heißt Bombardier Käfer (die Bedienung von Steine verschießende Wurfgeschütze bezeichnete man als Bombardiere), und macht im Fachbereich „komplexe Biologie“ auf sich aufmerksam. Der Käfer verteidigt sich gegen seine Feinde indem er sie mit einem 100 Grad heißem Gasgemisch aus zwei Röhren in seinem Hinterteil besprüht. Das vermischt er mit einem Explosionsknall der seine Gegner entweder zu Tode erschreckt oder sie flüchten schnell vor diesem Knaller. Sich gegen seine Gegnern zu verteidigen ist eigentlich nichts besonderes – chemische Gemische in seinem Körper herzustellen, diese zur Explosion zu bringen und seinem Feind bis zu 20 Zentimeter weit ins Gesicht zu sprühen, dass verdient es genauer betrachtet zu werden.

Sieht der kleine Käfer (1,5cm lang) das er bedroht wird und sich verteidigen muss geschieht Seltsames in dem kleinen Tier. Zuerst lagert er Hydrochinon (etwas kompliziert zu erklären, wenn es nicht zu kompliziert werden soll) und Wasserstoffperoxid (allem Bombenbastlern und Barbie-Blondienen bekannt) in der Sammelblase ein. Sieht er Gefahr auf sich zukommen (ein Frosch, Ameisen oder ein Vogel) leitet er die Chemikalien in seine Explosionskammer. Dort fügt er noch zwei Enzyme hinzu um die Reaktion zu beschleunigen. Es wird so warm das das Wasser verdampft und es entsteht ein hoher Druck. Der entlädt sich mit einem Knall und es schießt eine ätzendes, bis zu 100 Grad heißes, übelriechendes Gasgemisch aus dem Hinterteil des Käfers heraus.

Mit freundlichen Grüßen an die Augen, die Nase und das Maul des Gegners.

in action . . .

 

Die Käfer können diesen Vorgang mehrmals wiederholen weil sie nicht ihr ganzes „Pulver auf einmal verschießen“. Mit zwei Reflektoren an jeder Seite der Spritzdüsen können sie sogar um die Ecke schießen. Dabei kam es oft zu Missverständnissen was die Waffenstärke der Käfer betraf :

Und kommen wir jetzt zu dem Punkt an dem der Mensch an seine Grenzen kommt :  Raketen sind sehr komplexe technische Entwicklungen, die sofort auseinanderfliegen wenn nur ein Teil nicht richtig ist. Wie viele Bombardier Käfer mussten sich der Evolution opfern, bis das sie technisch so ausgereift sind wie sie heute durch Europa krabbeln ? Der schwarze Bombardierkäfer lebt auch in Oberbayern, der große Bombardier Käfer hat es gerne trocken mit kalkigem Boden wie in Heidegebieten oder in Weinbergen. Und was macht der Mensch mit dem Wissen um den Bombardierkäfer ? Vielleicht saß dieser kleine Käfer bei Wernher von Braun auf dem Schreibtisch als er über Flüssigkeitsraketen nachdachte. Wer Ihm geflüstert hat das er bei den Apollo Raketen besser Sauerstoff und Hydrazine Flüssigkeiten benutzt ist nicht überliefert.

 

Engländer bauen die Funktionsweise technisch nach, Schweden lizensieren sich das Ganze und bauen industrielle Sprühvorkehrungen und an einen Einsatz bei der Verabreichung von medikamentösen Aerosolen (Aerosol = flüssig und feste Teile enthaltend) ist auch gedacht. Für während des Fluges ausgefallene Flugzeugtriebwerke sollen in Not Start System nach Bombardierkäfer-Art entwickelt werden mit dem man die Motoren wieder zum Laufen bringen will.

Und hier das Ganze mal in Farbe :

http://www.brainblog.to/item/2010/11/bombardierkaefer-in-aktion?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+brainblog_to+%28brainblog%29

http://flimkien.com/test_youtube/viewPib9qT-pccI&feature=youtube_gdata_player.html